Fern ab vom Alltag

AYURVEDA Das Thema an sich mit all seinen Facetten, der Zubereitung der Speisen, den Gewürzen, den verschiedenen Konstitutionstypen, den Massagen und der Achtsamkeit mit sich selbst, interessiert mich schon seit Langem. Deshalb habe ich an einer Ayurveda-Entlastungswoche teilgenommen. Es war eine sehr interessante Woche mit täglichem Yoga, Massagen, Meditation und Vorträgen, in der für mich das Thema Ayurveda "lebendig" wurde.

Ein Erfahrungsbericht von Aloisia Streicher.



Ayurveda Öl-Massage

WELLNESS FÜR KÖRPER UND SEELE Die ganze Welt des Ayurveda bietet Massagen für Herz und Seele. Es sind sehr intensive und wohltuende Massagen. Die Öle werden auf den jeweiligen Typ abgestimmt. Foto: Kzenon/stock.adobe.com

Wesentlicher Bestandteil der Entlastungswoche ist die ayurvedische Entlastungsküche, unterstützt von ayurvedischen Massagen und einem entspannenden sowie informativen Rahmenprogramm.

ENERGIE TANKEN Am Haunberg See. Foto: Aloisia Streicher

Eine wichtige Grundlage ist es, die eigene Konstitution (Dosha) zu kennen. Nach der ayurvedischen Lehre trägt man sie von Geburt an in sich. Nur wenn man sie kennt, kann man beispielsweise das für sich richtige, typgerechte Essen zu sich nehmen.

Im zweiten Teil dieser Reihe über Ayurveda, berichtet Aloisia Streicher darüber, wie sie das im Seminar gelernte Wissen in ihren Alltag integriert hat. Und gibt Tipps.
Zum Beitrag: Ayurveda im Alltag leben

Körper, Geist und Seele

Ayurveda ist eine ganzheitliche Gesundheitslehre, die ihren Ursprung in Indien hat. Der Begriff setzt sich zusammen aus den beiden Sanskritwörtern „ayuh“ = das Leben und „veda“ = das Wissen. Somit kann Ayurveda als das „Wissen vom Leben“ übersetzt werden.

Ayurveda beschäftigt sich mit allen Aspekten des Lebens, von der Empfängnis bis zum Tod und hat zum Ziel, die Gesundheit des Menschen zu erhalten bzw. wieder herzustellen. Diese Wissenschaft ist mehr als 3.000 Jahre alt. Im Grunde ist das Wissen aber deutlich älter, man schätzt weit über 5.000 Jahre, entstanden in einer Zeit, als das Wissen in strenger Disziplin nur mündlich von Lehrer zu Schüler weitergegeben wurde.

Aber auch heute, und gerade in unserer heutigen, oft schnelllebigen und hektischen Zeit, hat der Ayurveda-Gedanke seine Berechtigung. So weicht unsere Art zu leben, oft stark von dem ab, was unserer Gesundheit förderlich ist. Ein Zeichen hierfür ist die zunehmende Zahl an Zivilisationskrankheiten, die aufgrund unserer Bewegungsarmut, nicht zuträglicher Ernährung und Lebensführung, sowie starkem inneren und äußerem Druck entstehen. So sind Studien zufolge psychische Belastungen in ihrer Häufigkeit direkt nach den Erkrankungen des Bewegungsapparates eine der Hauptursachen für Ausfälle bei Arbeitnehmern.

EXPERTENTIPP Ayurveda Kurleiterin Verena Musebrink. Foto: privat

Was ist Ayurveda

Eine ayurvedische Entlastungskur beruht auf einer wirksamen Methode, um Körper und Geist zu reinigen und dadurch mehr Vitalität zu erlangen. Eine speziell ausleitende Ernährung, ayurvedische Massagen und ausreichend Zeit zur Regeneration stärken die Verdauungskraft und befreien den Organismus von störenden Rückständen.

Das ayurvedische Entlasten in Kombination mit den Anwendungen ist ein schonendes und trotzdem tief greifendes Reinigungskonzept. Es harmonisiert die Körperenergien (Doshas), regt den Stoffwechsel an, baut Gifte ab und stärkt somit das Immunsystem. Quelle: Skript Verena Musebrink und Bettina Lörcher


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Gesund ist, wer glücklich ist. So lautet eine alte Weisheit. Doch was bedeutet Glück? Nach dem Ayurveda ist es ein Leben der Ausgewogenheit. Nicht allein eine Ausgewogenheit, die unseren Körper und unsere Psyche betrifft, sondern auch unsere Mitlebewesen, unsere Umwelt ebenso einbezieht, wie unsere Suche nach Selbst- und Gotteserkenntnis. Erst wer in diesem Sinne ausgewogen lebt, kann nach dem Verständnis des Ayurveda rundum glücklich und somit auch gesund sein. Ziel des ayurvedischen Lebens ist es, den Wohlklang all der Instrumente des Lebens zu ermöglichen oder wiederherzustellen.

Mit den entsprechenden Gewürzen ist Ayurveda in jedem Land mit den dort vorkommenden Lebensmitteln möglich.

EXPERTENTIPP Ayurveda Kurleiterin Bettina Lörcher. Foto: privat

Die Entlastungswoche

Latentes Interesse für die ayurvedische Ernährung, Massagen, Yoga und Meditation sowie Konstitutionstypen waren zwar vorhanden, dennoch konnte ich das nicht so richtig greifen und es mir vorstellen. Und so wusste ich im Vorfeld auch nicht, was mich in dieser Woche erwarten würde.

Auf Kaffee, Nikotin, schwere sowie fettige Speisen sollte bereits einige Tage vor der Entlastungswoche verzichtet werden, damit der Körper die Abfallprodukte besser ausscheiden kann.

Meine Gedanken waren: „Ich werde dort auf keinen Fall hungern.“ Eine Packung Reiswaffeln, eine Tüte kandierte Ingwerstäbchen und eine Kiste Mineralwasser sowie bequeme Kleidung nahm ich mit auf die Reise.

Die Woche fand in dem kleinen Ort Haundorf in der idyllischen Gegend des Altmühlsees im fränkischen Seenland statt. Als Unterkunft fand ich ein Haus mit vielen Bädern und Zimmern vor. Insgesamt waren wir sechs Personen plus zwei Kurleiterinnen sowie eine ayurvedische Köchin und Hauswirtschafterin.

Schon am Abend der Ankunft erfuhr ich, nach der üblichen Begrüßung und Vorstellung, mit Erleichterung, dass im Ayurveda auf keinen Fall gehungert werden müsse. Lediglich auf Brot und Fleisch sollte ich die gesamte Woche über verzichten.

UNTERKUNFT Ein Haus mit vielen Bädern und Zimmern in einer idyllischen Gegend. Foto: Aloisia Streicher

Meine Tage waren nach Frühstück-, Mittag- und Abendbrotzeiten eingeteilt. Dazwischen gab es Termine für Gespräche, sowie drei Massagen und Informationsabende zu Yoga, Gewürzherstellung, Meditation und individueller Massage, wie beispielsweise einer Seidenhandschuh-Massage oder Ganzkörper-Ölmassage.

Jeder Tag begann mit einer morgendlichen Yogastunde um 7.30 Uhr. Anschließend erwartete uns ein liebevoll gedeckter Tisch mit Blumen und Stoffservietten und einem personalisierten Serviettenring.

Vier Tage lang gab es zur Entlastung jeden Morgen einen Reisbrei mit Zimt, Kardamom, Nelken, Vanille und geriebener Zitronenschale oder mit Sternanis und Akazienhonig. Getrunken wurde reichlich heißes Wasser mit und ohne Ingwer. Und auch Tee nach Wahl. Der Grund: Heißes Wasser trägt zur Entschlackung des Darms bei.

Gemeinsam kochen und essen

Stand kein Termin an, erkundete ich die nähere Umgebung, selbstverständlich zu Fuß. Dabei legte ich, oft entlang kleiner Seen, durchaus am Tag zwischen fünf und zehn Kilometer zurück. Die Herbstfarben des Waldes leuchteten. Kastanien animierten zum Sammeln.

ABWECHSLUNGSREICH Das Essen war erstaunlich vielfältig. Foto: Aloisia Streicher

Das Mittagessen war reichlich. Angefangen vom Dahl mit Basilikum (Gericht aus Mungbohnen oder Linsen), über Rote Bete mit Kartoffeln und Selleriestampf mit rosa Pfeffer, Zucchini gebraten in Ghee und Reis, Chicorée, Kichererbsenbrei, Paprika und Fenchel, Kürbisspalten mit Salbei zeigte es sich ausgesprochen vielfältig. Abends aßen wir leicht bekömmliche Suppen mit Gewürzen, wie Möhrensuppe mit Ingwer und Reis. Oder Kürbissuppe und Zitronenreis. Die Zeit zwischen den Mahlzeiten war ausgefüllt. Tatsächlich auch einmal nichts zu tun, gehörte dazu.

Die letzten zwei Tage waren Aufbautage, da man sich erst langsam wieder an „normales Essen“ gewöhnen sollte. Es gab Haferflockenbrei mit Rosinen, gedünstete Äpfel in Ghee mit Zimt und Kardamom. Ich bemerkte schnell, dass mir der Haferflockenbrei viel schwerer als der Reisbrei im Magen lag. Mit gemeinsamem Kochen und der Herstellung einer Gewürzmischung, „Baharat“, klang die Woche harmonisch aus.

Mein Fazit

Es war eine sehr interessante Woche mit täglichem Yoga, Massagen, Meditation und Vorträgen. Das tägliche Essen einmal anderes als gewohnt zubereitet kennenzulernen und Ayurveda mit seinem Gewürzerlebnis transparent zu erleben, ließen für mich Ayurveda lebendig werden.

Die gesamte Woche über hatte ich ein wohlig wärmendes Gefühl im Magen und auch keinen Heißhunger mehr. Ich denke das liegt auch daran, weil in der ayurvedischen Küche alle Geschmacksrichtungen, wie herb, bitter und süß berücksichtigt werden.

Spannend wird die Umsetzung des Erlernten im eigenen Alltag werden, angefangen von der Morgenroutine, mit Yoga, Fußbad bis hin zur anderen Art der Zubereitung der Speisen, stets frisch und mit Bioprodukten. Wichtig, das habe ich verinnerlicht, sind warme Getränke, wie beispielsweise heißes Wasser oder Tee, um das Verdauungsfeuer ‚Agni‘ nicht zu stören.

Von Aloisia Streicher


Teil 1: Fern ab vom Alltag - Ayurveda Entlastungswoche
Teil 2: Ayurveda im Alltag leben - Tipps von Aloisia Streicher


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hochblau Magazin 2020 © hochblau

Detailinformation
Unsere Reporterin Aloisia Streicher hat für diesen Artikel die Ayurveda-Entlastungswoche bei Verena Musebrink und Bettina Lörcher besucht.

Kontakt:
Ayurveda Svastha GbR - Bettina Lörcher & Verena Musebrink, D-74321 Bietigheim-Bissingen

Internet:
www.ayurvedagesundheit.de ➥

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Reportage "Fern ab vom Alltag" (1 MB)

Der Artikel ist im hochblau Magazin Sonderausgabe 2019 vom 28.11.2019 erschienen.
Hier findest Du noch mehr Inhalte aus der Sonderausgabe 2019.

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Abbildungen
© Kzenon/stock.adbobe.com (Titelbild), Aloisia Streicher, Foto privat


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