Mit dem Elektro-Roller auf großer Fahrt

REISETAGEBUCH Wolfgang und Aloisia Streicher sind Elektro-Enthusiasten. Mit zwei Elektro-Rollern, jeder mit etwa 130 Kilometer Reichweite, hat das Ehepaar in sechs Tagen rund 650 Kilometer Strecke zurückgelegt. Deutschland, Österreich und die Schweiz. Der Bodensee und der Schwarzwald. In einem Tourentagebuch hat Aloisia Streicher von unterwegs berichtet.

Teil 2/2 | Mit Teil 1 beginnen



ROLLER-PARADE Am Bodensee.

STILLLEBEN Roller-Parade am Bodensee. Mit Verbrenner und Elektromotor. Und den Flaggen der Anrainer: Deutschland, Österreich und die Schweiz. Foto: Aloisia Streicher

Wolfgang (64) und Aloisia Streicher (60) haben sich mit zwei Elektro-Rollern und etwas Gepäck auf den Weg gemacht. Nach ihrer Planung wollen die beiden Elektro-Enthusiasten aus Weil der Stadt (Deutschland, Baden-Württemberg, Landkreis Böblingen) satte 560 Kilometer zurücklegen. Dabei wollen sie den Bodensee umrunden und den Schwarzwald durchqueren. Aus den geplanten 560 Kilometern wurden im Verlauf der Tour an die 650 Kilometer. Lest hier das Reisetagebuch von Aloisia Streicher.

Wenn ihr mehr über Wolfgang und Aloisia Streicher erfahren wollt, über ihre Motivation und die Reisevorbereitung, sowie ihr Fazit nach der großen Tour, dann lest die Interviews.
Zu den Interviews: Mit dem E-Roller auf grosser Fahrt - Interviews

Das Reisetagebuch

Tag 1 - Etappenziel Sigmaringen
Abfahrt am Dienstagmorgen

Wir waren schon ein bisschen aufgeregt. Es sollte die heißeste Woche des Jahres werden. Beide waren wir gespannt. Wie wird es klappen? Sicherheitshalber checkte Wolfgang noch einmal den Luftdruck der beiden E-Roller. Die passenden Helme für die vorhergesagte Hitze hatten wir ausgesucht. Die Jacken waren auf die Sitze geschnallt. Ich (Aloisia Streicher) kontrollierte noch einmal das Gepäck. Alles da.! Auch etwas Proviant: Zwei Päckchen Hartwürste, drei Vinschgauer und Getränke waren an Bord. Los geht's ....


Die ersten 140 Kilometer

Rottenburg war unser erster Halt. In der Tourismusinfo gibt es Lademöglichkeiten in Schubladen. Für E-Roller aber nur bei offener Schublade und mit Verlängerungskabel nach draussen möglich. Wir haben das mal gelassen und uns die weitläufige Innenstadt mit netter Gastronomie angeschaut.

Weiter ging's nach Binsdorf: Dort bei der Firma Micro, einem Schweizer Premiumhersteller von Tretrollern, auch elektrifiziert, war unsere erste Ladestation.

Die Weiterfahrt nach Sigmaringen war, zumindest anfänglich, mit Widrigkeiten verbunden, denn Tourenplan Nummer eins hatte sich der Wind gegriffen und mitgenommen. Straßenhopping war die Folge.

Gegen 17 Uhr kam, nach etwa 140 zurückgelegten Kilometern, das Etappenziel in Sichtweite, in Form der Pension Pfefferle mit Lademöglichkeit. Entspannt klang der Tag in Sigmaringen aus.

Sigmaringen hat eine schöne Innenstadt, mit sehenswertem Schloss, die zum Flanieren einlädt. Auch die Gastronomie ist klasse. Neben Park, Schloss und Wasserspielen, gibt es ein Zündapp Museum. Sehr nostalgisch.


Tag 2 - Premiere an der Ladesäule

Ladestation der EnBW mit 2 Schuko Steckdosen und 2 Typ 2 Steckdosen für E-Autos. Zwischenladen am Schloss Salem mit Schlossführung und Vesperpause.

Das war das allererste Mal, dass wir unsere E-Roller überhaupt an einer Ladesäule aufgetankt haben!


Im Schritttempo den Bodensee entlang

Heute haben wir 120 Kilometer Strecke zurückgelegt. In Salem haben wir einmal nachgeladen. Der Weg nach Salem führte durch Wiesen, entlang prächtiger Felder und durch Wald. Die Zeit, in der unsere E-Roller an der Ladestation waren, nutzten wir für eine Führung im Schloss und ein Vesper im Park. Kloster und Schloss Salem zählt zu den schönsten und bedeutendsten Kulturdenkmälern der Bodenseeregion.

Wieder im Sattel, ging die Fahrt nach Mersburg am Bodensee - und im Schritttempo durch den Ort. Sozusagen flanieren mit E-Roller. Über Immenstaat und Fischbach verlief die Route Richtung Friedrichshafen. Ein Zeppelin drehte dort am Himmel seine Runden.

Und weiter bis zur Unterkunft in Lindau mit Steckdose auf der Terrasse. Hier in Lindau sitzen übrigens unsere Geschäftskollegen. Ein Händler und Servicepartner von emco. Das ist der Hersteller unserer Roller. Die sitzen in Lingen/Ems in Niedersachsen. Ohne die Elektroroller der Firma emco, mit Reichweiten von bis zu 130 Kilometern, wäre unsere Tour so gar nicht möglich.


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Tag 3 - Von Rigoletto bis Hundertwasser

Die Fahrt führte Richtung Bregenz, mit Halt bei den Bregenzer Festspielen. Die aktuelle Aufführung ist „Rigoletto“. Wir haben eine Führung gebucht. Wie die Jahre zuvor eine gigantische Kulisse. Sämtliche Veranstaltungen für 2019 sind ausgebucht. Ab Mitte August sind Buchungen für 2020 möglich.

Von Bregenz (Österreich) ging es weiter Richtung Schweiz, zum Grenzübergang St. Margrethen. Der Grenzer lachte uns freundlich an und winkte uns durch. Schweizer Moped- und Mofa-Fahrer begrüßten uns auf unserer Weiterfahrt. Um die Mittagszeit: Pause am See bei Rorschach. Wenig später, ein kurzer Fotostopp an einem Haus von „Hundertwasser“. Dann weiter Richtung Landschlacht zum Hotel „Sonne“, mit Laden der Roller im umgebauten Kuhstall. Adapter für Schweizer Steckdosen sind genügend vorhanden.

Im Hotel „Sonne“ kocht der Chef, Rainer Britt, persönlich und die Chefin, Maria Britt, kümmert sich um die Gäste. Es gibt eine umfangreiche Speisekarte. Sehr lecker. Schweizer Preise. Der Bodensee ist direkt 100 Meter auf der anderen Seite. In der Ritterstube aus dem Jahr 1214 kann man Genuss und Erlebnis wie im Mittelalter buchen, ab 10 Personen.


Tag 4 - Über Konstanz nach Villingen

Morgens um halb neun hatten wir uns auf den Weg gemacht. Von Landschlacht führte unsere Tagesetappe zunächst nach Konstanz (D, BW). Die Altstadt ist groß und weitläufig. Man sollte sich Zeit nehmen für Besichtigungen. Schön sind der Konstanzer Dom, der Stadtgarten und das Panorama am Hafen. Aber es gibt noch vieles mehr.

Auf der Fahrt nach Villingen liegt das Kloster Hegne. Unmittelbar an der B33 gelegen, sorgte das Kloster mit seiner harmonische Ausstrahlung für eine kurzer Verschnaufpause. Ab dem Dorf Hegne, einem Ortsteil der Gemeinde Allensbach am Bodensee, sind die landwirtschaftlichen Wege für Kleinkrafträder freigegeben. Entspanntes Fahren resultierte.

In Allensbach musste sich Wolfgang kurz umdrehen, um sich zu vergewissern, dass ich tatsächlich noch hinter ihm war, denn es kam uns ein mintfarbener E-Roller von emco entgegen. Der sah genauso aus, wie meiner.

Weiter ging die Fahrt Richtung Immendingen. Stromsparend sind wir gefahren, bis zu einer der wenigen öffentlichen Ladesäulen in der Region (Immendingen, Ortsteil Zimmern). Das Laden klappte einwandfrei und wir genossen derweil die Kühle im nahe gelegenen Einkaufsmarkt bei Kaffee und Snack (Anmerkung der Redaktion: Der Wetterbericht meldete 38 Grad Celsius Außentemperatur). Bis Villingen, zum Bären, unserer Unterkunft für diese Nacht, waren es jetzt noch 30 Kilometer.


Tag 5 - Lade-Notstand

Mittlerweile Wochenende (Samstag) ging die Fahrt vom Bären in Villingen am frühen Morgen in Regenjacken gehüllt weiter. Wegen des Wetterberichts. Aber es blieb trocken bis zum Abend.

Stromsparend sind wir durch Orte gefahren, mit typischem Schwarzwaldflair. In Wolfach wollten wir bei den Vogtsbauernhöfen Station machen, mit Besichtigung und gleichzeitigem Aufladen unserer E-Roller. Die dortige Ladesäule war aber nur für Autos (Typ 2 Stecker). Auf Nachfrage an der Kasse, ob wir Strom bekommen könnten, wurde es verneint, weil das Kabel durch das Verkaufsfenster hätte gelegt werden müssen. Es wurde auf die öffentliche Ladesäule verwiesen. Einfach schade!

In Hausach sind wir einmal um den Kringel gefahren, weil wir keine Autostraßen fahren dürfen. Immer noch auf der Suche nach einer Steckdose fuhren wir durch Zell am Harmersbach zu einer mutmaßlichen Ladesäule mit Schuko-Stecker. Endlich gefunden … aber leider doch kein Schuko-Stecker vorhanden!

Die Sonne brannte vom Firmament, die Ladebalken wurden weniger und der innere Stresspegel meldete sich. Da sah ich vis-a-vis das Renault-Autohaus Mayer und kam auf die Idee, wir könnten doch dort nachfragen. Die Dame am Empfang holte nach Schilderung unserer Notlage den Chef, der eigentlich schon im Wochenende war. Etwa eine Stunde konnten wir laden und haben gerne etwas für die Kaffeekasse gespendet. Ganz herzlichen Dank an das Autohaus Mayer!

Mit gut gefüllten Akkus sind wir dann entspannt weiter Richtung Hinter-Ibach zur Bader Alm ★ gefahren.


Tag 5 abends - Auf der Bader Alm in Hinter-Ibach

Nach dem Stress mit den Ladesäulen, konnten wir es kaum mehr erwarten: Endlich auf der Bader Alm ★, urig und urgemütlich, war Wellness angesagt. Zuerst ein gemeinsames Fichtelnadelbad mit Nacken- und Schultermassage im Badezuber. Danach ein Salzpeeling für Arme und Füße, gefolgt von einer Kreidemaske. Und das Ganze garniert mit einem Glas Sekt. Das Wellness-Programm ließ uns die anstrengende Suche nach einer Steckdose im Schwarzwald schnell vergessen.

Später, am Abend, wurde gemeinsam mit den anderen Gästen das Gemüse geschnitten, für das bevorstehende Abendessen. Gemeinsam wurde über dem offenen Feuer gekocht. Spaghetti mit Pesto und Gemüse, verschiedene Fleisch- und Wurstsorten, und Lachsforelle aus dem eigenen Teich.


Tag 6 - Freudenstadt und Heimreise

GLÜCKLICHE ANKUNFT Wieder in Merklingen, nach rund 650 Kilometern E-Roller-Abenteuer. Foto: Wolfgang Streicher

Der Morgen war diesig, mit Nebel und Regen. Kurz nach 9 Uhr, nach einem gemeinsamen Frühstück mit allen Gästen, immerhin 30 an der Zahl, sind wir von der Bader Alm aus in den letzten Tag unseres E-Roller-Abenteuers gestartet. Auf dem Kniebis war es sehr nass und neblig. (Anmerkung der Redaktion: Der Kniebis ist ein etwa 970 Meter hoher Bergrücken. Der Kniebis liegt an der Schwarzwaldhochstraße und am berühmten Fernwanderweg, dem Westweg.)

Kurz nach Freudenstadt war alles wieder trocken. Wir freuten uns, als wir gegen 16.30 Uhr zuhause in Merklingen ankamen.

Tagebuchaufzeichnungen von Aloisia Streicher


Teil 1: Mit dem Elektro-Roller auf grosser Fahrt - Interviews
Teil 2: Mit dem Elektro-Roller auf grosser Fahrt - Reisetagebuch


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hochblau Magazin 2019 © hochblau

Tour-Details
Die beschriebene Tour startet und endet in Weil der Stadt-Merklingen (D, BW, Kreis Böblingen) und führt auf normalen Straßen über Herrenberg, Rottenburg am Neckar, Sigmaringen, Überlingen am Bodensee, Lindau Bregenz (Österreich), die Schweizer Bodenseeseite, Konstanz (wieder Deutschland), Singen, Donaueschingen, Schramberg und die Baderalm in Oppenau. Die Tourendauer beträgt 6 Tage mit 5 Übernachtungen. Die Streckenlänge etwa 560 Kilometer.

E-Roller oder E-Moped ausleihen
Kann man bei Wolfgang und Aloisia Streicher in Weil der Stadt-Merklingen. Neben einer netten Einweisung und jeder Menge Tipps, bekommt man bei Wolfgang und Aloisia auch ausgearbeitete Tourenpläne, mit Sehenswürdigkeiten und Gastronomie an der Strecke. Bald ist vielleicht auch die große Tour an den Bodensee mit dabei.

Kontakt:
Wolfgang und Aloisia Streicher, D-71263 Weil der Stadt, Dr.-Dietter-Straße 2
Telefon: +49 (0) 151 14 38 62 21

Weitere Infos zu e-classik hier:
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Reportage "Mit dem Elektro-Roller auf großer Fahrt" (2 MB)

Der Artikel ist im hochblau Magazin Ausgabe 1/2019 vom 19.09.2019 erschienen (Seiten 56-61).
Hier findest Du noch mehr Inhalte aus der Ausgabe 1/2019.

Abbildungen
© PR/ e-classik Wolfgang Streicher (Titelbild), Hans-Jörg Ernst (Porträtbild Streicher), Wolfgang und Aloisia Streicher (alle weiteren Bilder im Text)


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